Ein Artikel von Manaf Hassan (Journalist)
Genickbruch oder Wiederauferstehung der Widerstandsachse? Eine schonungslose Chronologie
Ich habe lange gezögert, diesen Text zu schreiben. Nicht aus Angst vor der Wahrheit, sondern weil das, was seit dem 7. Oktober 2023 im Nahen Osten geschieht, so gewaltig ist, dass ein einzelner Artikel es kaum fassen kann. Dennoch muss er geschrieben werden. Denn was in den Leitmedien als „israelische Selbstverteidigung“ und später als „notwendiger Krieg gegen den Iran“ verkauft wird, ist in Wirklichkeit die konsequente Umsetzung eines langfristigen geopolitischen Plans: die vollständige Zerschlagung der letzten unabhängigen Kräfte in der Region, die sich dem US-zionistischen Dominanzstreben widersetzen.
Dieser Text beginnt beim Auslöser und führt Schritt für Schritt durch die Kette der Eskalation – mit Fakten, die westliche Medien bewusst auslassen, mit Fragen, die niemand stellen darf, und mit Zusammenhängen, die das offizielle Narrativ zum Einsturz bringen. Für alle, die nicht mehr nur konsumieren, sondern verstehen wollen.
Der 7. Oktober 2023: Vorwissen, Ignoranz – oder bewusste Provokation?
Beginnen wir beim Anfang. Israel hatte erhebliches Vorwissen über die Hamas-Pläne. Das ist heute nicht mehr umstritten, sondern durch israelische und internationale Untersuchungen belegt. Bereits mehr als ein Jahr zuvor lag den israelischen Geheimdiensten der detaillierte Hamas-Operationsplan mit dem Codenamen „Jericho Wall“ vor. Er beschrieb fast exakt, was dann geschah: massiver Raketenbeschuss, Durchbruch der Grenzanlage, Überfälle auf Kibbuzim und Geiselnahmen. Zu erwähnen ist hier vor allem ein Punkt, der gerne unter den Teppich gekehrt wird: Die Vorgänger der Hamas und die Gründung der Hamas wurden von Israel indirekt und teilweise direkt unterstützt, finanziert und gefördert. Warum? Weil die säkular-patriotischen PLO und Fatah damals geschwächt werden sollten. Eine Spaltung der palästinensischen Kräfte untereinander sollte erfolgen, um den Widerstand insgesamt zu schwächen. Religiöse Gruppen lassen sich zudem auch nochmal leichter untereinander spalten als patriotisch-säkulare Bewegungen. Weiterhin kann man gegen religiös-extreme Parteien leichter militärisch vorgehen und sie radikalisieren. Auch in Syrien arbeitet man mittlerweile mit IS- und Al-Qaida-Terroristen zusammen. Doch dazu später mehr.
Zurück zum 7. Oktober 2023.
Ägypten warnte Israel wiederholt und eindringlich. Wochen und Monate vorher sprach der ägyptische Geheimdienst von „etwas Großem“, das aus Gaza drohe. Der ägyptische Geheimdienstchef soll Netanyahu etwa zehn Tage vor dem Angriff persönlich kontaktiert haben. Noch drei Tage zuvor gab es eine weitere, konkrete Warnung. Auch intern war die israelische Führung gewarnt: Die Soldatinnen der Unit 414, die den Grenzzaun beobachteten, meldeten monatelang ungewöhnliche Aktivitäten – Trainings, Vorbereitungen, verdächtige Bewegungen. Der Militärische Nachrichtendienst gab zwischen März und Juli 2023 mindestens vier klare Warnungen heraus. Shin-Bet-Chef Ronen Bar warnte Netanyahu im Sommer 2023 persönlich: „Krieg kommt.“
Von einem „Überraschungsmoment“ kann also keine Rede sein. Im Gegenteil. Man muss die Frage stellen, die in deutschen Redaktionen tabu ist: Inwiefern hat Israel bewusst gewähren lassen oder sogar aktiv eine solche Situation herbeigeführt? Warum wurden alle Warnungen ignoriert? Warum wurde das Nova-Music-Festival – trotz der angespannten Lage – nicht abgesagt, sondern nur zwei Tage vorher an einen Ort nur 3–5 Kilometer vom Gazastreifen entfernt verlegt? Der ursprüngliche Veranstaltungsort fiel plötzlich aus, Gründe wurden nie plausibel erklärt.
Der Mossad, einer der besten Geheimdienste der Welt, soll plötzlich blind und taub gewesen sein? Keine zusätzlichen Sicherheitskräfte, fatale Unterbesetzung, keine Notfallpläne. Stattdessen lief alles weiter wie geplant. Und dann, als der Angriff begann, wurde sofort die Hannibal-Direktive aktiviert. Diese Direktive – 1986 eingeführt und offiziell 2016 angeblich „abgeschafft“ – besagt im Kern: Kein Israeli darf lebend in Feindeshand geraten. Um jeden Preis. Auch wenn das bedeutet, eigene Soldaten und Zivilisten zu töten.
Israelische Hubschrauber und Panzer feuerten auf Häuser, in denen sich Israelis befanden, und auf fliehende Autos. Im Kibbutz Be’eri starben durch israelischen Panzerbeschuss mindestens 14 Geiseln. Am Nova-Festival und auf den Fluchtwegen kamen Dutzende, wahrscheinlich Hunderte (Zahlen bis heute unklar) Israelis durch eigenes Feuer ums Leben. Die offizielle Begründung: Man wollte verhindern, dass Hamas Geiseln nach Gaza verschleppt und später teure Austauschgeschäfte erzwingt. Das muss man sich einmal vorstellen: Der eigene Staat tötet seine Bürgerinnen und Bürger, um politische Kosten zu vermeiden. Davon gibt es mittlerweile sogar Videos bzw. Dokumentationen.
Das alles zusammen – Vorwissen, Ignoranz der Warnungen, Verlegung des Festivals, Hannibal-Direktive – wirft die Frage auf, ob der 7. Oktober nicht nur zugelassen, sondern instrumentalisiert wurde. Als willkommener Vorwand für das, was folgte: die systematische Zerstörung Gazas und der Beginn der großen Kettenreaktion gegen die gesamte Widerstandsachse.
Die Widerstandsachse – kein „Terrorbündnis“, sondern letztes Bollwerk
Die sogenannte Widerstandsachse – bestehend aus bewaffneten Gruppen im Gaza-Streifen (Hamas nicht primär), Hisbollah im Libanon, den Ansarullah im Jemen, schiitischen Bewegungen im Irak und Syrien sowie dem Iran als Rückgrat – war nie die „iranische Terror-Allianz“, als die sie in westlichen Medien dargestellt wird. Sie war und ist ein Bündnis von Kräften, die sich der vollständigen Unterwerfung der Region unter israelische und US-amerikanische Interessen widersetzen. Sie richtete sich gegen Siedlungsexpansion, gegen die Annexion weiterer Gebiete und gegen die Vision eines „Groß-Israel“, wie sie von Politikern wie Finanzminister Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir offen propagiert wird: ein zionistischer Staat vom Nil bis zum Euphrat, der Teile Jordaniens, Syriens, Libanons, Iraks, Ägyptens und Saudi-Arabiens umfassen soll.
Genau diese Achse musste zerschlagen werden. Denn sie war das größte Hindernis für die Neuordnung des Nahen Ostens im Sinne Washingtons und Tel Avivs. Und der 7. Oktober lieferte den perfekten Anlass. Ein früherer Schlag gegen diese Achse war bereits die Ermordung von Qasem Soleimani vor Jahren, durch die USA – obwohl er – von hochrangigen US-Beamten bestätigt – mit irakischen Widerstandskräften gegen den IS im Irak gekämpft und diesen besiegt hatte. Das zeigt, wie wenig es um gemeinsame Ziele geht, sondern nur um die Eliminierung potenzieller Bedrohungen. Ebenso falsch sind die Behauptungen, dass die Hisbollah und der Iran Islamisten seien, die alle anderen Religionen und Andersdenkende hassen – das sind Fake News. Tatsächlich haben die Hisbollah und der Iran Minderheiten in Syrien beschützt, darunter Christen, Alawiten und andere Gruppen, die von dschihadistischen Kräften bedroht waren. Ihre Rolle war defensiv, nicht fanatisch-aggressiv, wie es dargestellt wird.
Phase 1: Gaza – die systematische Zerstörung
Israel nutzte den Angriff sofort zur totalen Eskalation. Im Gazastreifen wurde kein Terror bekämpft, sondern alles systematisch dem Erdboden gleichgemacht. Ein Völkermord. Hunderttausende Tote, darunter deutlich überwiegend Zivilisten, vor allem Kinder und Frauen. Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, die gesamte Infrastruktur – ausradiert. Die Führung der Hamas wurde nahezu komplett eliminiert. Offiziell hieß es „Vernichtung des Terrors“. In Wahrheit ging es um die Beseitigung eines lästigen Widerstandsherds, der die Pläne eines Groß-Israel störte. Die Palästinenser haben seit Jahrzehnten keine ebenbürtigen Rechte. Sie werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie sollen fliehen. Damit ein Staat Palästina unmöglich wird. Dafür ist man bereit, alles zu zerstören, Menschen kaltblütig zu ermorden, sie zu brechen, zu vergewaltigen, sie verhungern und verdursten zu lassen.
Phase 2: Libanon – Pager-Attentate und der Tod Nasrallahs
Im September 2024 folgte der nächste Schlag: Tausende Pager und Walkie-Talkies, die gezielt an Hisbollah-Mitglieder geliefert worden waren, explodierten gleichzeitig. Ohne Rücksicht darauf, dass Zivilisten und Familien mit ihnen sind und ebenfalls betroffen sind. Hunderte Verletzte und Tote – ein beispielloser Geheimdienst-Coup Israels. Kurz darauf wurde der langjährige Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und weitere hochrangige Hisbollah-Mitglieder sowie etliche Zivilisten durch massive israelische Luftangriffe getötet. Die Hisbollah, der militärisch stärkste Verbündete Irans, war schwer getroffen. Israel rückte in Südlibanon vor. Die Achse verlor zwar Hisbollah nicht vollständig, aber dieses Glied war in kurzer Zeit so schwer getroffen, dass es die Orientierung, den Kopf, verloren hat. Bemerkenswert: Israel und der Libanon schlossen einen Waffenstillstand, obwohl Israel hätte weitermachen können. Aber es gab für Israel unmittelbar nach der entscheidenden Schwächung Hisbollahs Wichtigeres zu tun – das nächste Glied der Widerstandsachse: Syrien. Seitdem greift Israel den Libanon übrigens auch wieder an. Immer und immer wieder. Die Schwächung soll weitergehen. UNIFIL hat Tausende von Verletzungen des Waffenstillstands dokumentiert, darunter Luft- und Bodenangriffe, die Zivilisten gefährden und die Stabilität der Region untergraben. Die Angriffe der Hisbollah in den letzten Tagen sind also nicht im luftleeren Raum erfolgt. Sie sind eine Reaktion.
Phase 3: Syrien – der Sturz Assads und die Rückkehr der Dschihadisten
Am 26. November 2024 sagte Netanyahu, im Kontext der Ankündigung des Waffenstillstands mit Hisbollah: „Assad muss verstehen, dass er mit dem Feuer spielt.“ Gemeint war: Die Waffenlieferungen vom Iran, über den Irak, über Syrien, bis zum Libanon und darüber hinaus, bis nach Gaza. Nur wenige Tage nach diesen Worten, im Dezember 2024, ging es dann sehr schnell. In nur elf Tagen fiel die syrische Regierung um Assad. Die islamistischen Terroristen der HTS (Al-Qaida und IS) übernahmen Damaskus. Wie? Dazu werde ich eines Tages einen noch ausführlicheren Text schreiben. Aber eine große Rolle spielte – neben den bisher genannten Gründen (Widerstandsachse) auch, dass Assad sich nicht auf Erdogan und Israel einlassen wollte. Erdogan wollte sich Assad wieder annähern, hatte aber Bedingungen, die Teilabtretungen, Einfluss seiner islamistischen Terroristen u. v. m. bedeutet hätten. Und auch Israel hatte Bedingungen, Teilabtretungen im Süden Syriens. Trotz Drucks seitens Russlands, das mit Erdogan enge wirtschaftliche und strategische Beziehungen pflegt, hat Assad eine Annäherung abgelehnt. Man sagt, Assads wichtigste militärische Kommandeure wurden unter Druck gesetzt, vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie wurden gezwungen, der syrischen Armee die Kapitulation zu befehlen. Der Sturz Assads war weder militärisch noch gesellschaftlich. Die Waffen wurden niedergelegt bzw. abgegeben. Die Städte fielen ohne Gegenwehr. Offiziell heißt es, Assad sei geflüchtet. Anderen Gerüchten zufolge befand sich Assad aber in Hausarrest in Russland. Viele Tage vor seinem Sturz hat man ihn nicht gesehen. Seine Frau soll in Russland ihren Krebs behandelt haben. Dort sei er wohl festgehalten worden und kam nie wieder zurück. Er wollte sogar eine Rede halten, als die Terroristen Aleppo übernahmen. Um die Moral zu stärken. Dazu kam es aber nie. Seitdem hat man ihn nie wieder gesehen. Es gibt sehr viele Gerüchte. Die Wahrheit werden wir wohl nie oder sehr viel später erfahren. Welche Gerüchte stimmen? Weiß man nicht. Erdogans IS- und Al-Qaida-Terroristen, die sich über Jahre in Idlib formiert haben, haben mit Druck in Aleppo angefangen. Israel begann auch sehr schnell, Gebiete in Syrien zu besetzen. Hat Berge und 1/3 des syrischen Wassers einverleibt und ist nur 20 Kilometer von Damaskus entfernt. Plan: Großisrael. Die Propaganda über erdrückende, von außen gesteuerte Social-Media-Kampagnen und die Übernahme syrischer Medien durch Terroristen haben für einen schnellen Sturz in Syrien gesorgt. Die wichtigsten Schaltstellen waren von der Türkei und ihren islamistischen Terroristen besetzt. Plötzlich regieren IS- und Al-Qaida-Terroristen. Massaker an Minderheiten und Andersdenkenden – und schnell wieder vergessen. Keine Wahlen, keine Demokratie, Folter, Vergewaltigungen, Morde, Enteignungen und Unterdrückung wurden zum Alltag.
Westliche Medien jubeln bis heute. Assad war weg, ein Verbündeter Irans und Russlands beseitigt. Kaum jemand erinnerte daran, dass Israel während des gesamten syrischen Kriegs verwundete Terroristen – mit engen Verbindungen zu Al-Qaida und IS – in israelischen Krankenhäusern behandelt hatte. Dass Israel die Terroristen bewaffnet und bezahlt hat. Pragmatismus pur: Mit dem Teufel paktieren, solange er gegen den gemeinsamen Feind kämpft. Jetzt herrschten genau diese Kräfte – und plötzlich war dem Westen „Demokratie“ egal. Hauptsache, die Achse war weiter geschwächt. Und das zeigt eben auch, dass es im Iran nicht um Demokratie und Freiheit geht. Nur um Interessen. Bodenschätze, Kontrolle, Macht und Geld.
Phase 4: Jemen – der Angriff auf die Ansarullah und die Blockade des Roten Meers
Nach der Schwächung Syriens wandte sich die Eskalation dem Jemen zu, einem weiteren entscheidenden Glied der Widerstandsachse. Die Ansarullah, die seit Jahren gegen saudi-arabische und westliche Einflussnahme kämpfen, hatten bereits seit dem 7. Oktober 2023 solidarisch reagiert: Sie feuerten Raketen und Drohnen auf Israel ab und blockierten Schiffe im Roten Meer, die mit Israel in Verbindung stehen – ein direkter Schlag gegen globale Handelsrouten. Israel und die USA antworteten mit kontinuierlichen Luftangriffen auf jemenitische Ziele, darunter Häfen, Flughäfen und vermeintliche Raketenbasen. Offiziell hieß es, dies sei notwendig, um die Schifffahrt zu schützen und „Terror“ zu bekämpfen. In Wahrheit ging es darum, die Ansarullah zu brechen, die als Proxy des Irans die Straße von Bab al-Mandab kontrollieren und damit einen Hebel gegen die Öl- und Warenströme des Westens darstellen.
Die Angriffe eskalierten Ende 2024 und Anfang 2025, mit US- und israelischen Bombardements, die Zivilisten in Hodeida und Sanaa trafen. Die Ansarullah, unterstützt durch iranische Technologie, hielten stand und intensivierten ihre Angriffe: Sie trafen nicht nur israelische Schiffe, sondern auch US-Militärbasen in der Region und sogar Ziele in Saudi-Arabien und den Emiraten. Diese Phase unterstrich die Stärke der Achse: Die Ansarullah blockierten das Rote Meer effektiver als je zuvor, was zu steigenden Frachtkosten und Verzögerungen in der globalen Lieferkette führte. Israel tötet weiter in Gaza, und der Jemen wird kontinuierlich angegriffen – ein Krieg, der die Ansarullah nicht besiegt hat. Hier zeigt sich wieder: Die Widerstandsachse ist nicht nur defensiv, sondern kann asymmetrisch zuschlagen und die Weltwirtschaft treffen. Bis Ende 2025 hatten die Ansarullah über 100 Schiffe attackiert, was den Schiffsverkehr im Roten Meer um bis zu 64 Prozent reduzierte.
Phase 5: Venezuela – Öl sichern, bevor der große Schlag kommt
Anfang 2026 holten sich die USA größeren Einfluss in Venezuela. Nicolás Maduro wurde von US-Spezialkräften festgenommen und nach New York verschleppt. US-amerikanische Konzerne übernehmen wieder Kontrolle über riesige Ölreserven. Offizielle Begründung: „Kampf gegen Diktatur und Drogen“. Das alte Muster aus Irak, Libyen, Afghanistan: Ressourcen sichern, bevor der nächste Krieg beginnt.
Phase 6: Der offene Krieg gegen den Iran und die Ermordung Khameneis
Ende Februar 2026 startete der finale Akt. Israel und die USA bombardieren neben Raketenbasen und Kommandozentralen auch Häuser und Schulen und töten etliche Zivilisten, darunter allein in einer Mädchenschule in der Stadt Minab 165 Menschen, überwiegend Kinder. Ayatollah Ali Khamenei wurde ebenfalls getötet. Die offizielle Begründung: „Iran plant die Atombombe, unterdrückt sein Volk, wir bringen Freiheit.“
Der Iran hatte das alles kommen sehen. Khamenei wurde zum „Märtyrer“. Große Teile der Bevölkerung rücken enger zusammen. Millionen gehen gegen den Krieg der USA und Israels auf die Straße. Der Westen, der sonst jede iranische Opposition feiert, schweigt plötzlich. Denn Freiheit war nie das Ziel – nur Gehorsam. Der Hubschrauberabsturz, bei dem der iranische Präsident und Außenminister im Mai 2024 starben, sind sicher kein Zufall. Solche Operationen haben der Widerstandsachse in Syrien und im Libanon massiv geschadet, indem sie interne Strukturen unterwandert und Führungspersonen eliminiert haben.
In den letzten Monaten hat sich der Iran systematisch und intensiv auf einen langfristigen, potenziell existenziellen Krieg vorbereitet. Ein zentraler Bestandteil dieser Vorbereitung war die bewusste Dezentralisierung der militärischen und operativen Entscheidungsstrukturen. Die Führung hat die Kommandoketten so umgestaltet, dass viele Einheiten – insbesondere regionale IRGC-Kommandos und bestimmte Raketen- sowie Drohnenverbände – weitgehend autonom agieren können. Sie operieren nach vorab festgelegten allgemeinen Direktiven und strategischen Rahmenplänen, ohne dass ständiger Kontakt zur zentralen Führung in Teheran erforderlich ist.
Genau dieses Konzept der „Decentralized Mosaic Defense“ (dezentraler Mosaik-Verteidigung) soll verhindern, dass Israel und die USA durch die Eliminierung einzelner Spitzenfiguren oder gar des gesamten zentralen Führungszirkels den militärischen Apparat des Iran entscheidend lähmen können. Man weiß nicht mal wirklich, wer das Kommando hat. Die Zerstörung der Hierarchie in Teheran führt nicht automatisch zum Zusammenbruch der Kampfkraft – im Gegenteil: Viele Einheiten sind so konzipiert, dass sie auch ohne oberste Weisung weiterkämpfen, koordinieren und zuschlagen können. Dieses Konzept, das auf Lektionen aus früheren Konflikten wie den US-Kriegen in Afghanistan und Irak basiert, macht den Iran resilient gegen präzise, aber zentralisierte Angriffe.
Der Tod von Ayatollah Ali Khamenei durch einen gezielten US-israelischen Schlag war in diesem Szenario kein unvorhergesehenes Ereignis, sondern Teil eines größeren Kalküls. Nach iranischer Lesart – wie sie in staatlichen Medien und von IRGC-nahen Stimmen verbreitet wird – war sein Ableben als „Märtyrertod“ längst eingeplant und ideologisch vorbereitet. Er sollte nicht als schwacher, greiser Führer enden, der im Bett stirbt oder durch Krankheit ausfällt, sondern als Symbol des Widerstands, das den Kampfgeist der Nation und insbesondere der „Achse des Widerstands“ neu entfacht. Sein Tod wurde bewusst in Kauf genommen, um die Moral der eigenen Seite zu stählen, den Feind als Aggressor zu brandmarken und gleichzeitig die dezentralisierte Struktur erst richtig zum Tragen kommen zu lassen – nun ohne die Zielperson Nr. 1.
Kurz gesagt: Der Iran hat sich nicht nur auf einen langen Krieg vorbereitet – er hat sich auf einen langen Krieg ohne zentrale Steuerung vorbereitet. Khameneis Tod war dabei kein Kontrollverlust, sondern der Preis für ein System, das genau für diesen Moment gebaut wurde.
Der Iran zeigt in diesen Stunden vor allem eines: Dieser Krieg wird – anders als von den großartigen „Experten“ bisher angenommen – nicht nur auf iranischem Territorium stattfinden. Angriffe richten sich gegen Israel, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Jordanien, den Irak, Bahrain, Oman und Syrien – und über andere Länder – gegen Frankreich, Italien und Großbritannien.
Die Straße von Hormus ist geschlossen. Die Weltwirtschaft wird dadurch massiv lahmgelegt. Sie wird vor allem unter dem Faktor Zeit leiden. Dieser Krieg wird länger dauern – und er wird hässlich werden. Der Iran verfügt über weitreichende Netzwerke und Stellvertreter in vielen Ländern. Sie stürmen Botschaften und Basen. Sorgen für heftige Unruhen. In wenigen Tagen werden die Jubelrufe der Kriegstreiber, der Kriegsverbrecher und der Manipulierten verstummen.
Viele hier glauben, der Tod von Ali Khamenei bedeute das Ende des Krieges. Das ist ein Irrtum. Tatsächlich beginnt jetzt erst die wirklich gefährliche Phase. Das iranische System hat sich seit Langem auf den Tod eines 86-jährigen Mannes vorbereitet. Der Krieg geht weiter. Er wird blutiger werden. Er wird größer werden. Und er wird auch uns erreichen. Der Iran ist nicht schwach, wie er gemacht wird.
Wirtschaftlich wird es brutal: Die Preise werden deutlich steigen. Neue Flüchtlinge werden sich auf dem Weg machen. Diejenigen, die diesen Krieg so massiv befeuert haben, werden ihn schon bald bitter bereuen.
Die wirklich kritische Variable ist die Zeit. Israel und die USA können sich einen langen Krieg nicht leisten – weder finanziell noch politisch noch gesellschaftlich. Ein verlängerter Krieg würde jedoch massive Störungen der globalen Energieversorgung, anhaltend hohe Öl- und Gaspreise, Lieferkettenkrisen und eine weitere Verschärfung der ohnehin fragilen Weltwirtschaft bewirken.
Die wirtschaftlichen Folgen wären brutal und unmittelbar spürbar: deutliche Preisanstiege bei Energie und Rohstoffen, Inflationseffekte in fast allen Volkswirtschaften, steigende Staatsverschuldung durch höhere Rüstungsausgaben und humanitäre Belastungen.
Dieser Konflikt birgt sogar das Potenzial, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Das Netzwerk des Iran und seines Systems erstreckt sich über viele Länder und Regionen. Ali Khamenei war – gemessen daran – bei Weitem nicht die größte Sorge. Seine Nachfolger gelten als unberechenbarer und – im Vergleich zu ihm – als noch deutlichere Hardliner.
Sehr bald werden einige begreifen, warum Krieg – und ganz besonders dieser Krieg – niemals eine gute Idee war und sein kann.
Ich hoffe von Herzen, dass dieser Krieg sofort beendet wird. Andernfalls wird er sich immer weiter zuspitzen und immer grausamer werden.
Die nackte Doppelmoral des Westens
Hier zeigt sich die Heuchelei in Reinform. Der Iran wird als „islamistische Diktatur“ verteufelt. Gleichzeitig umarmt derselbe Westen Saudi-Arabien (Hinrichtungen, Frauenunterdrückung), Ägypten (Folter) und die Emirate (moderne Sklaverei). Über Syrien habe ich ja schon geschrieben. Warum? Weil diese Regime spuren, Öl liefern und Israel nicht bedrohen. Regime-Change gibt es nur, wenn jemand nicht gehorcht. Irak, Libyen, Syrien – nirgendwo brachte eine US-Intervention Demokratie. Immer nur Chaos, Marionettenregime und Ressourcenkontrolle. Sie predigen Demokratie, Frieden und Freiheit für die Länder im Nahen Osten, die ihnen nicht gehorchen – und küssen gleichzeitig die Füße der blutrünstigen, unterdrückenden Despoten in Saudi-Arabien, Katar, Jordanien & Co., solange die brav zahlen, gehorchen und Business machen. Nennen Sie mir ein einziges Land im Nahen Osten, dem die USA und Israel Demokratie, Frieden und Freiheit gebracht haben. Wo es nicht darum ging, die Bodenschätze zu rauben und das Land zu kontrollieren.
Warum die Widerstandsachse zerstört werden muss
Die Achse ist das letzte ernstzunehmende Hindernis gegen ein Groß-Israel und die totale US-Kontrolle über Öl und Handelsrouten. Sie wurde systematisch diffamiert, weil sie genau das verhinderte: die Annexion weiterer Gebiete, die Spaltung der arabischen Welt und die Isolation von Russland und China. Deshalb die Vernichtung der „Widerstandsachse“: Palästina, Hisbollah (Libanon), Syrien, Irak (2003), jetzt der Iran.
Bedeutung Irans für China und Russland
Für Moskau und Peking war und ist der Iran existenziell. Sichere Öl-Lieferungen, Waffenhandel, eine Front gegen die NATO-Expansion. Fällt der Iran, verliert China seine Energie-Routen durch die Straße von Hormus, Russland seinen letzten starken Brückenkopf im Nahen Osten. Deshalb unterstützen beide Teheran – still, aber massiv.
Der Iran: Der unterschätzte Gegner
Der Iran hatte sich jahrelang vorbereitet. Die Strategie – wie bereits erwähnt – trägt den Namen Decentralised Mosaic Defence (dezentralisierte Mosaik-Verteidigung). Und die Proxys greifen gleichzeitig an: die Ansarullah im Jemen (werden sicher bald eintreten) blockieren das Rote Meer, Milizen beschießen US-Basen im Irak und in Bahrain, Hisbollah feuert aus dem Libanon. Ziel: Den Krieg in die Länge ziehen, die Weltwirtschaft treffen, unter anderem Öl- und Gaspreise explodieren lassen, den Druck auf andere Staaten so erhöhen, damit sie den Krieg beenden. Bemerkenswert ist auch, dass man in Bahrain Aufstände von Saudi-Arabien und dem Regime in Bahrain niederschlagen lässt. Weil das Regime dort treu und ergeben ist. Eine schiitische Regierung dort würde den Einfluss mindern. Aber das kehren unsere tollen Medien natürlich wieder unter den Teppich. Diese Strategie basiert auf Lektionen aus früheren Konflikten und macht den Iran zu einem harten Gegner in einem asymmetrischen Krieg. Der Iran wollte und will diesen Krieg nicht. Aber der Iran kämpft um seine Unabhängigkeit und Existenz in seiner aktuellen Form.
Fakt ist: Die USA und Israel können keinen echten Landkrieg führen. Deshalb versuchen sie jetzt verzweifelt, Kurden und andere Minderheiten im Iran zu bewaffnen, um einen Bürgerkrieg zu entfachen. Das alte „Teile und herrsche“. Die Kurden wurden schon im Irak und in Syrien als Werkzeug benutzt – immer mit dem Köder eines eigenen Staates.
Was geschieht, wenn der Iran fällt?
Ein Domino-Effekt ohne Ende. Russland und China verlieren strategisch massiv. Die Proxys könnten trotzdem weiterkämpfen und die gesamte Region in ein langfristiges Chaos stürzen. Der Iran kann diesen asymmetrischen Krieg lange führen. Washington und Tel Aviv nicht. Und falls andere Länder nicht mitmachen wollen? False-Flag-Operationen stehen immer bereit – wie schon so oft in der Geschichte. So könnten sowohl Länder im Nahen Osten als auch europäische Staaten oder die NATO reingezogen werden.
Die bittere Lehre
Seit dem 7. Oktober 2023 läuft ein Plan ab, der nichts mit Freiheit, Demokratie oder Terrorbekämpfung zu tun hat. Es geht um Macht, Öl, Sicherheit für ein Groß-Israel und die Schwächung von Russland und China. Der Westen paktiert mit Dschihadisten, solange sie gehorchen. Die Widerstandsachse wird als „Terror“ diffamiert, weil sie genau das verhindern wollte.
Der Iran ist nicht unschuldig. Aber er ist auch nicht das Monster, als das er dargestellt wird. Er zeigt gerade, dass er unterschätzt wurde – militärisch, strategisch und gesellschaftlich. Und dass ein Volk, das sich größtenteils als Widerstands-Nation versteht, nicht so leicht zu brechen ist.
Wer das durchschaut, versteht: Die offizielle Erzählung ist Propaganda. Die echte Geschichte ist eine von Imperialismus, Heuchelei und Ressourcenkriegen. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.
Die aktuellen Kriege und Krisen, Ukraine, Iran, der Konflikt um Venezuela, um Taiwan und vielmehr bestimmen die neue Weltordnung. Sie bestimmen auch, ob eine multipolare Weltordnung bevorsteht. Dafür müssten China und Russland jedoch aktiver mitgestalten. Sie geraten zunehmend unter Druck. Die USA hingegen üben diesen Druck, gemeinsam mit westlichen Verbündeten und Verbündeten im Nahen Osten, speziell Israel, aus. Sehr viele andere Länder haben aber auch keine Lust mehr auf diese Kriege und diese Politik des Westens und seiner standhaften Verbündeten. Diese Krisen und diese Zeit werden die neue Weltordnung bestimmen. Daran führt kein Weg vorbei. Weil sie bewusst forciert werden. Die kommenden Zeiten, sie sind spannend, aber auch verdammt gefährlich. Deshalb bleibt die Devise: Frieden, Freiheit, Vernunft und Gerechtigkeit. Niemand hat das Recht, andere Länder anzugreifen.
Niemand.
Und zu den Leuten, die das Völkerrecht mit Füßen treten, kann ich nur eins sagen: Eines Tages könnte man auf das Völkerrecht angewiesen sein. Wenn man selbst betroffen ist. Gewaltverbot? Wird man brauchen. Wenn die Weltordnung eine andere ist und sich jemand auf genau diese Argumentation beruft, auf die sich viele Menschen aktuell berufen, dann könnte jeder Deutschland und Europa angreifen und Staatsoberhäupter kidnappen, weil ihm etwas bei uns nicht passt oder weil wir Dinge haben, die andere dringend brauchen. Darüber schon nachgedacht? Sicher nicht. Ohne Frage, das Völkerrecht, die UN und all das braucht eine Reform und strikte Einhaltung, mit Sanktionen für diejenigen, die sich nicht daran halten. Eine Aufhebung hingegen würde uns alle ins Chaos stürzen.
Der dritte Weltkrieg ist viel näher als viele glauben. Und die Menschen klatschen bei jeder Eskalation, bei jedem weiteren Krieg. Bis sie selbst betroffen sind. Die Preise werden noch mehr steigen, die Leute werden immer ärmer. Und dennoch gibt es keine großen Demos gegen all das. Die ganzen Entwicklungen sind nicht mehr in Worte zu fassen.
Aktuell melden sich ganz schön viele Aktivisten, bezahlte Bots und Menschen, die nur das wiederkäuen, was sie im Mainstream gelesen haben. Und sie wollen andere einfach nur niederbrüllen und überstimmen. Um Fakten geht es Ihnen schon gar nicht mehr. Linke denken, hier geht es bei all dieser komplexen Gemengelage um Frauenrechte und Rechte denken plump, hier geht es ausschließlich um Islamismus. Das Niveau der Diskussion ist in den letzten Jahren massiv gesunken. Die Diskussionen sind wirklich peinlich. Damals hat man noch diskutiert, um Neues zu lernen. Heute diskutiert man nur, um seinen Standpunkt fest zu erklären. Der Kompass ist völlig falsch justiert. Menschen fragen die künstliche Intelligenz, was richtig und was falsch ist. Dass jemand diese Programme programmiert und diese Programme fehlerhaft, unglaubwürdig und nicht vertrauenswürdig sind und nicht alles wissen, darauf kommen sie nicht. Sie haben ihren Kopf komplett abgegeben. Wirklich traurige Entwicklungen.
Und auch Reichweite von kritischen Accounts werden gedrosselt. Mit einem Shadowban belegt. Videos, die man nicht sehen soll, werden in sozialen Netzwerken bewusst kaschiert. Wir sehen, wenn wir uns nicht selbst bemühen, nur aus einem Blickwinkel. Und das ist verdammt gefährlich. Es gibt immer viele Blickwinkel. Man muss versuchen, so viele wie möglich, am besten alle, zu bekommen.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Text weitere Blickwinkel ermöglichen, die man nur sehr schwer im Westen bekommt.